Mit Elvis in eine neue Zeit

Museum erhält neue Exponate
 
Gronau, 20. August 2018 – Gronau, 20. August 2018 – Noch laufen die Renovierungsarbeiten im rock’n’popmuseum Gronau, aber hinter den Kulissen finden schon die ersten Exponate ihren Platz. Eine echte Rarität ist ein Brief von Elvis Presley, der vor drei Jahren im westfälischen Ahlen aufgetaucht ist. Er erzählt aus einer Zeit, als die Eltern vom Capri-Urlaub träumten und die Jugend heimlich zu Rock’n‘Roll tanzte. 

Der Brief stammt aus dem Nachlass der vor acht Jahren verstorbenen Ilse Kowalsky aus Ahlen. Sie und ihre Schwester Ingrid Heitkamm, die das Dokument dem Gronauer Museum für das kommende halbe Jahr überlässt, schwärmten seit den späten Fünfzigerjahren für Evis Presley. Wenn sie Hausaufgaben machten, hörten sie leise den britischen Soldatensender – sehr zum Unmut der Eltern, für die Rock’n’Roll das Sinnbild moralischen Verfalls war. „Sobald sie aus dem Haus waren, drehten wir das Radio laut und tanzten in der Küche“, erinnert sich Ingrid Heitkamm lachend.

Dankesworte und Neujahrsgrüße
Ihre 13-jährige Schwester Ilse schickte ihrem Idol Elvis Presley, der im hessischen Bad Nauheim seinen Wehrdienst leistete, Ende 1960 ein Kuscheltier. Und tatsächlich kam ein Brief des Soldaten zurück. Abgestempelt im Januar 1961 in Memphis Tennessee. Elvis war bereits im März 1960 zurück in die Staaten gegangen, hatte den Brief mitgenommen und sich dort die Zeit genommen, zu antworten. Mit schwungvoller Schrift bedankte er sich bei Ilse Kowalsky und wünschte ihr ein schönes neues Jahr. Doch von der Freude über den Brief bekam Ingrid Heitkamm nichts mit – Ilse verheimlichte ihn, aus Angst vor der Reaktion des strengen Vaters.

Jugend zwischen Wiederaufbau und Rebellion
Der Brief zeugt von den Träumen, aber auch den Nöten der jungen Nachkriegsgeneration. Deutschland befand sich im Wiederaufbau. Die Eltern schufteten für Eigenheim, Auto und Italien-Urlaub. Im durchgetakteten Familienalltag war kein Platz für Träumereien, Kinder mussten spuren. Da kamen einige Trends aus den USA gerade recht: „Mit Jeans, Rock’n’Roll und der Musik von Elvis Presley entflohen wir dieser Enge und genossen neue Freiheiten“, erzählt Ingrid Heitkamm.

Aus der Stille in die Öffentlichkeit
 Schwester Ilse machte ihre Leidenschaft für Musik zum Beruf und ging als Redakteurin nach München, wo sie bei der Jugendzeitschrift „ok“ arbeitete. Jahrzehntelang hing der Brief in ihrer dortigen Wohnung, auf Goldpapier gerahmt, drapiert mit einem Elvis-Foto. Als sie vor acht Jahren starb, vererbte sie das Dokument Ingrid Heitkamm. Es blieb weitgehend unbeachtet, bis es ihr Enkel vor drei Jahren mit in den Musikunterricht nahm und die örtlichen Zeitungen darüber berichteten. So sei sie überhaupt erst auf die Idee gekommen, ihn dem Museum anzubieten. „Für mich besitzt der Brief einen hohen persönlichen Wert. Umso schöner, dass er jetzt sein stilles Dasein verlässt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.“
Thomas Albers, Geschäftsführer des rock’n’popmuseum: „Unser Team ist aktuell viel unterwegs, um neue Schätze für das Museum zu heben. Einige davon sind bereits in Gronau eingetroffen, andere sichten wir gerade. Insgesamt wird es eine gelungene Mischung werden, die im neuen Rahmen nach der Eröffnung gezeigt wird. Darauf freuen wir uns alle sehr!“

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